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Bangkok Biking

Bangkok mit dem Radl

Münchener Merkur - 6. November 2007

Ein Tour hinter die Kulissen der thailändischen Metropole

Zehn Millionen Menschen leben in Bangkok. Man sieht sie auf Mopeds, in Autos, in Tuk-Tuks – aber Radfahren ist hier ungefähr so populär wie Holzschuhtanzen. Dabei ist das Jammer. Meint unser Autor Andreas Werner, denn mit einem Drahtesel und einem kundigen Guide lassen sich Facetten dieser Stadt entdecken, die selbst für Bangkok-Kenner Neuland sind.

Andre Breuer lotst seit drei Jahren Touristen auf Rädern durch Bangkok. Der Niederländer weiß, dass dies den Einheimischen merkwürdig vorkommt. Der Halbtagestrip „Colours of Bangkok” führt jenseits der Wolkenkratzerwelt am Siam Square, in Oasen der Ruhe fern der geschäftigen Khao San Road, in den Schatten der überdimensionalen Neonreklametafeln van China Town. Es ist eine Radtour hinter die exotischen Kulissen einer aufregenden Metropole.

Unsere Führerin an diesem Vormittag, die uns die versteckten Schätze der thailändischen Hauptstadt zeigen will, heißt Nai. Aufgewachsen in den Bergen im Norden des Landes, waren ihr sogar Elefanten ein vertrauteres Fortbewegungsmittel als ein Fahrrad. Nai fährt übervorsichtig, aber das schadet nichts. Erster Stopp ist im Schatten eines Nobelhotels, das hoch in den Himmel wächst. Daneben steht eine schmucklose Mauer. „Ein Slum”, erklärt Nai. In Bangkok wohnen Reich und Arm Tür an Tür, wobei Arm oft nicht mal eine Tür besitzt.

Auf dem Gelände haben sich Leute angesiedelt, die mit nichts als Hoffnung in die Hauptstadt gekommen sind und auch heute nicht viel mehr als Hoffnung haben. Bedenken beschleichen einen: Will man da überhaupt hinein? Für Einwande ist keine Zeit, Nai ist schon hinter die Mauer gehuscht, im Schlepp ihre vier Touristen. Und die staunen auf der anderen Seite nicht schlecht: Die engen Gassen sind sauber, sogar ausgesprochen hübsch. Und ihre Bewohner strahlen die Besucher an, es stört sie nicht, dass die Farangs, die Langnasen aus dem Westen, mit ihren Rädern durch ihr Viertel spazieren, teilweise mitten durch ihre Kuchen, Waschstellen und Esszimmer. Nai wird an jeder Ecke freundlich begrüßt.

Andre Breuer hat 15 Jahre lang für die großen Bekleidungfirmen des Westens nach billigen Produktionsstatten Ausschau gehalten. Sein Job führte ihn in die ärmsten Gegenden der Stadt. Irgendwann beschloss er, etwas zu verändern. Hinter seinem Schreibtisch hangt noch heute ein Bild des Niederländischen Königspaars, verheiratet ist er mit einer Thailänderin, die Menschen hier sind ihm ans Herz gewachsen. Mit seiner Tour unterstutzt er die Bewohner der Gegend. Ein paar Cents der Radtouristen gehen beispielsweise an den Kindergarten des Slums.

Mit einem kleinen Holzboot wird der Chao Praya River überquert. Am andren Ufer beginnt eine andere Welt: Dorf-Idylle statt Grosstadtflair. Die Tour führt vorbei an Tempelanlagen und quer durch einen friedlich schlummernden Erholungspark. Bangkoks hektisches Zentrum ist nur neun Kilometer Luftlinie entfernt, doch man konnte genauso gut im äußersten Winkel des Landes sein, während man unter Mangobäumen und Kokospalmen radelt. Schmale Betonstege haben die Straße abgelöst, links und rechts ist Sumpf.

In seinem Büro empfängt Andre Breuer die Radler mit einer Erfrischung. Thais buchen seine Tour nie, Hauptinteressenten sind seine Landleute, Belgier und Deutsche. „Radfahren macht hier auch einfach mehr Spaß als zu Hause” sagt er und fährt mit seinen Fingern die rund 30 Kilometer lange Tour noch einmal auf der Landkarte an der Wand nach. Wie zum letzten Beweis: Ja, auch das war Bangkok, das man in den Stunden zuvor gesehen hat. In Farben, die man sonst nicht zu Gesicht bekommt.

Radtour

Veranstalter ist Recreational Bangkok Biking. Vorher Anmeldungen zwingend erforderlich im Internet unter www.bangkokbiking.com (auf Deutsch). Preis 1000 Baht pro Person (rund 18 Euro; inkl. Einem Thai-Essen, Erfrischungsgetränke, zwei Bootspassagen und Führer); Maximum 8 Teilnehmer pro Gruppe; Tour start täglich um 8 und 13 Uhr. Voraussetzungen: keine. Mountainbikes in Top-Zustand werden gestellt, bei Bedarf auch Helme. Die Tour ist so konzipiert, dass sie für Jung und Alt machbar ist. Weitere Touren in Angebot: Zweitages-Radtrip über die Stadtgrenzen hinaus; Bangkok per Fuß und Rikscha.

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